Burg Linn – Grabungsabend

    Foto: Stadt Krefeld

    Dass sich die Krefelder für die Arbeit und Erkenntnisse der Archäologen in der Stadt interessieren, wurde am Grabungsabend des Archäologischen Museums Krefeld einmal mehr deutlich: In der voll besetzten Museumsscheune hörten sich gut 200 Besucher die Vorträge von sechs Archäologen an. Museumsleiterin Dr. Jennifer Morscheiser blickte zu Beginn auf das vergangene Jahr zurück. Der Abschluss der größten Grabung in der Geschichte des Museums stach hier besonders hervor. Über ein Jahr wurde auf dem Areal des nördlichen Lagerdorfes am römischen Kastell der Boden nach Spuren aus der Vergangenheit untersucht. Etwa 60 Kubikmeter an Funden kamen so ans Tageslicht. Darunter hunderte Münzen, Waffen, eine Bronzewerkstatt, mehrere Öfen und vor allem das römische Dorf mit seinen Häusern und Straßen.

    Stadtarchäologe Dr. Hans Peter Schletter berichtete von dem Fund eines römischen Soldatenhelms auf dem einstigen Schlachtfeld von Gellep. Der römische Historiker Tacitus (58 bis 120) schilderte in seinen „Historien“ den blutigen Kampf im Jahr 69 zwischen den germanischen Batavern und den Römern. Der ehemalige Museumsleiter Dr. Christoph Reichmann analysierte in seinem Beitrag „Zur Bevölkerung Geldubas in der Spätantike und frühem Mittelalter“ die Belegung von unterschiedlichen Bestattungsgruppen und Formen auf dem Gräberfeld in Gellep. Der Archäologe Eric Sponville stellte einen Fund aus der großen Grabung 2017/2018 vor: Eine seltene römische Kästchenform aus dem Vicus von Gelduba. Von dem Holzobjekt haben die Jahrhunderte lediglich die Beschläge aus Bronze und das Schloss aus Eisen die Zeit überstanden sowie eine Delfinfigur.

    Von einer Erkundungsgrabung und Begehung in einem geplanten Wohnbaugebiet in Fischeln berichtete der Archäologe Horst Husmann. Zum Abschluss des Grabungsabends erzählte Dr. Annette Schieck, Leiterin des Deutschen Textilmuseums und Archäologin, von einem Seidenbesatz aus dem Bestand des Museums, der aus dem 5. bis 7. Jahrhundert stammt.