Der Breetlookman und die Wahl

    Schon jehört?

    Bald ist wieder Kommunalwahl. Da wird endlich wieder entschieden, wer denn bald in unserer Nachbarschaft entscheiden darf. Genauer gesagt, et wird entschieden, welcher Kommunalpolitiker in den nächsten 5 Jahren den Groll der Bürger eines noch so wichtigen Kaffs in den sozialen Netzwerken am meisten abkriegt. Denn sind wir mal ehrlich, wollen Sie Kommunalpolitiker sein? Also, ich nicht!

    Schon allein der Gedanke daran, dass ich mich extra in unzeitgemäße, dunkle Anzüge zwängen muss, damit ich einmal in 5 Jahren für 6 Wochen an jeder Straßenecke meinen Stammtischbrüdern und Nachbarn vom Plakat aus zugrinsen kann, der macht mir Angst. Und dann muss ich in den gleichen 6 Wochen im gleichen Anzug auch jeden Samstag aufem Hülser Markt stehen und Rosen, Aufkleber, Buttons oder ähnlichen Schnick Schnack verteilen, damit die Leute mich nett finden. Und wofür? Damit ich dann nach meiner Wahl 5 Jahre lang für jedes Schlagloch, für jedes gescheiterte oder erfolgreiche Bauvorhaben sowie für geschlossene Schwimmbäder, nicht behindertengerechte Bürgerbüros, Tempolimits, Falschparker, verspätete Busse, Ringlösungen – gleich ob groß oder klein –, für die Maskenpflicht und zu guter Letzt auch für den Eichenprozessionspinner verantwortlich gemacht werde. Näh, nicht mit mir!

    Denn eins ist klar – Schuld ist immer der Bezirkspolitiker und am allermeisten der Bezirksvorsteher. Denn wenn im Park die Bänke demoliert werden oder irgendwer am Papier Container zu faul war, seine verdammten Amazon Kartons vernünftig da rein zu stopfen, kommt mindestens ein „Hülser mit Herz und Humor“ und fotografiert es für die Menschheitsgeschichte, damit ein anderer dann schreiben kann: „Da soll der Herr B..zen doch mal kommen und dat wegräumen, weil der ist ja Schuld, dat so wenig Mülleimers im Park sind und der Container nur so selten geleert wird!“

    Schon immer war der oberste Politiker einer Region der Depp, der alles falsch macht und sowieso nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht sein soll. Das wurde meiner Generation quasi in die Wiege gelegt. Und wer das nicht glaubt, der höre sich mal 3-4 Folgen Bibi Blocksberg, die wird dieser Tage übrigens 40 Jahre alt, oder Benjamin Blümchen an. Der dumme Böse ist doch immer der dicke Bürgermeister von Neustadt, übrigens seit 40 Jahren im Amt. Kinder lernen also quasi seit 40 Jahren, dat der oberste Politiker einer Kleinstadt ein selbstgerechtes Ekel ist, dem man nicht trauen kann. Kein Wunder also, dat man et dem bei Facebook und Co mal so richtig geben kann, schließlich schafft dat ne 12-jährige kleine Hexe doch auch, und die hat den nicht einmal gewählt.

    Viel schlimmer ist aber, dass die Nicht-Gewählten einer Kommunalwahl dann stets in diesen Chor mit einstimmen und noch richtig Häme mitverteilen und ihre Arbeit überwiegend darin sehen, den Zeigefinger auszupacken, um möglichst häufig auf Fehler oder mutmaßlich Versäumtes der anderen aufmerksam zu machen. Dabei haben ja vielleicht nur wenige Stimmen gefehlt und man wäre es selbst gewesen, der da durchs Dorf getrieben wird. Oder vielleicht hat man mit eigenen Entscheidungen vor Jahren gar selbst zum ein oder anderen regionalen Missstand beigetragen. Ganz ehrlich – ich möchte nicht tauschen!

    Aber wer sind die überhaupt, die wir da im September für Hüls wählen können?

    Zunächst mal ist das in der roten Ecke der füllige Bürgermeister von Neustadt, den wir ja eh schon haben. Angriffsfläche en masse und der wohnt ja mittlerweile auch noch hier! Dat geht ja mal garnicht. Welches Argument soll man gegen den denn jetzt noch auspacken?

    Außerdem ist da noch sein duckmäusiger Handlanger mit dem komischen Akzent. So einen hatte der Bürgermeister von Neustadt ja auch immer, Pichler hieß der und dackelte stets fleißig um dem Meister herum. Wenn die Obrigkeit veranlasste, dass Rosen und Nikoläuse verteilt werden, da war Pichler Gewehr bei Fuß. Ein bisschen wie in der DDR. Ob der Original Pichler allerdings wirklich aus dem Osten der Nation kam, ist bei Bibi nicht überliefert.

    Ihm von der schwarzen Konkurrenzpartei entgegengestellt wird ein Brillengestell. Ja, Sie hören richtig. Ein Brillengestell, das ins Auge fällt, wenn die bisherigen politischen Taten es nur schwer vermögen. Zunächst dachte ich, dass sich jemand auf den exakt pünktlich aufgehängten Wahlplakaten einen Scherz erlaubt hat und dem Kandidaten einfach mal eine Brille mit Edding aufgemalt hat, aber ich musste erkennen: dat Ding is echt. Ich muss zugeben, ich weiß nicht, ob man ein Brillengestell wählen kann oder ob ein solches in der Lage ist zu regieren, das herauszufinden, wäre allerdings immens spannend, weil es unabgenutzten Nährboden für Humoristen und Kolumnisten wie mich liefern würde. Ein Fest des Frohsinns würde da auf uns zukommen. Schade, dass Karneval im nächsten Jahr wohl entfällt. Wat hätten wir gelacht.

    Die gleiche Partei bringt dann auch noch einen altgedienten Hengst aus Orbroich ins Rennen, der sich allerdings garantiert schon kurz nach der Wahl erschöpft in den Ruhestand absetzt, nur um die junge Stute ins politische Schlachthaus zu führen, die er die ganze Zeit Huckepack mitgenommen hat, damit sie überhaupt in die Bezirksvertretung reinrutscht. Ich sag ja, danach bereut er’s vielleicht! Aber die CDU zeigt sich auch sportlich: wenn nix mehr geht, schickt man die langen Kerls von der Bank nach vorne. Das könnte erfolgversprechend werden.

    Achja, Grüne haben wir auch in Hüls. Einer will sogar Oberbürgermeister in der großen Stadt werden. Jetzt mal ehrlich, Leute! Egal, wat in Hüls passiert, aber die Chance müssen wir ergreifen. Scheisst auf Partei oder Fraktion! Wenn wir einen von uns im Zentrum der Macht von Krefeld haben, dann können wir nur gewinnen. Hüls kriegt dann zwei Freibäder, wir kriegen ne Schwebebahn bis zum neuen Ortskern neben Edeka und die bekloppte Grillmeisterschaft werden wir zu guter Letzt auch noch los. Außerdem kann der ja dann nicht Bezirksvorsteher werden, also auch ein Grund, den als Oberbürgermeister zu wählen. Winwin würd ich sagen!

    Wat haben wir noch? FDP! Doch ehrlich! Haben wir auch in Hüls. Und die passen ja mal so garnicht zum Rest der FDP im ganzen Land. Ich glaube ja nicht, dass der Zaunkönig von Hüls überhaupt weiß, wie man Digitalisierung schreibt. Auf einem schwarzweißen Wahlplakat in männlicher Lindner-Pose würde ich ihn jedoch gerne mal sehen.  Aber in irgendeiner Partei, wo man dagegen sein kann, muss man ja sein. Da nimmt man am besten die, die eh in der Opposition landet. Dat is für dagegen sein immer besser.

    Jede Partei hat dann noch die Fraktion „Leserbrief und Social Media“, eine Gruppe unbeschäftigter Hausmänner, die die Zeit haben, aber auch mal alles auf die Goldwaage zu legen, was die andere Seite so von sich gibt. Kalyttaweise wird da geschrieben und gepostet, dass man sich fragt: Haagsma noch alle Latten aufem Zaun? (Ich entschuldige mich auch direkt und umgehend für diese billigen Wortspiele, aber was soll man aus solchen Vorgaben auch lustiges kreieren?) Allerdings sind die Herren nicht annähernd so fleißig im Posten, Formulieren und Fingerzeigen, wie so manch ein parteiloser, scheinbar gelangweilter Ehemaliger, der aber auch jedes Eitzen aus dem Feuer holt, um alle anderen damit verbal zu verbrennen. Aber besser, was sagen, als gar nichts tun.

    Ihr merkt, ich könnte stunden- und seitenweise so weitermachen, denn nichts bietet soviel Futter für Belustigung, aber auch Attacke, wie das, was jeden Tag vor der eigenen Haustür passiert. Man weiß ja garnicht, wo man anfangen oder aufhören soll.

    Und genau deshalb ist es aber auch mal nötig, eine Lanze zu brechen für die, die sich trauen Politik in der eigenen Heimat zu machen. Denn es kann doch deutlich unangenehmer sein, politisch für die zu entscheiden, die ich jede Woche beim Einkaufen oder in der Kneipe treffe, als wenn ich fern der Probleme des kleinen Mannes Entscheidungen in Berlin oder Brüssel treffe. Kommunalpolitik hat ein viel offeneres Visier als die große Politik, die man nur im Fernsehen und in der Zeitung verfolgt. Da wird persönlicher gestritten, persönlicher diskutiert und persönlicher entschieden. Dabei kann man auch andere viel persönlicher treffen oder von ihnen getroffen werden. Eine solche Aufgabe ist nicht leicht und zunächst mal ist es wichtig, dass sich jemand einer solchen Aufgabe stellt – gleich ob rot, grün, schwarz, gelb oder rosa. Hauptsache nicht braun! Also sind wir mal froh, dass in Hüls so viele verschiedene dazu bereit sind. Wenn dann die Bürger noch aktive Unterstützung zeigen statt nur zu mosern, dann kann doch nix schief gehen.

    Denkt immer dran, es gibt Menschen in Kommunen dieser Welt, denen ist die Sichttiefe eines Naturbades oder der Zustand der Straßen sowas von egal, weil bei denen gibt es überhaupt kein Wasser und keinen ÖPNV. Die haben viel bedeutendere Probleme, die sie jedoch mit niemandem teilen können, weil die zudem auch gar kein Internet haben. Ach, und wählen dürfen die ja auch gar nicht. Da sollten wir beim Mosern mal alle kleine Brötchen backen, wir haben wenigstens die Möglichkeit auf gewählte Bürgermeister!

    In diesem Sinne, sucht euch bis September eine oder einen aus, geht wählen, schenkt denen, die sich trauen, Vertrauen und macht et euch nett in Hüls. Ich pack mir jetzt nen Edding und mal dem Pichler außem Osten mitten in der Nacht noch ne schwarze Hornbrille auf jedes Plakat. Vielleicht hilft et! Ne Fucki wird et auf jeden Fall!

    Euer Breetlooksman