HÜLS: Kolumne – Schon jehört? Et passiert ja nix

    Et is wieder Frühjahr! Normalerweise eine Zeit, in der es aus einem Kolumnisten nur so raussprudelt, weil dat Leben überall in vollem Gange ist. Aber diesmal fällt es mir so schwer. Worüber soll man denn noch schreiben? Et passiert ja nix.

    Gut, ich könnt jetzt schreiben über den Alltag eines ungeimpften Lehrers, der zweimal die Woche in der Klasse umhergehen muss, um genau 10 Tropfen einer sogenannten „Pufferlösung“ in Röhrchen zu träufeln, die vorher von Teenagerhänden in Wäscheklammern gesteckt wurden, damit dem Jerome-Konstantin beim Selbsttest im Klassenzimmer der janze Rotz nicht der Deborah-Ashley über die Highwaste Jeans schwappt! Aber wer will dat denn hören? Darüber schreiben ja auch andere in diversen Netzwerken schon genug.

    Dann könnte ich natürlich schreiben darüber, wie toll das Frühjahrsfest am Vatertag in Hüls sicherlich geworden wäre. Mit der neuen Kirmes auf dem neu gestalteten Kirmesmarkt. Es wäre doch überragend, sich beim Entenangeln gleichzeitig des überaus anschaulichen Baulochs bei der alten Feuerwehr zu erfreuen. Und Kinder könnten als Mutprobe während der Kirmes über die baufällige Treppe zur Bruckerschen Straße balancieren. Wat en Spaß! Ich würd‘ dat alles ja so lassen. Der Charme des Unfertigen passt doch ideal zum Rest von Hüls.
    Und wat hätte ich gerne beim neuen feschen Wirt im Max ein kühles Blondes gehoben, während dieser sich sicherlich in bester Manier um die Bollerwagen ziehenden Papis gekümmert hätte, während Kommunalpolitiker am Eröffnungstag wie immer mindestens die ersten 10 Freibier unter sich ausgemacht hätten. Zur Eröffnung der Kirmes treffen die Kommunalpolitiker sich nämlich besonders gerne – warum auch immer!? Momentan geht das ja leider nicht, denn Bezirksvertretungssitzungen dürfen ja nicht digital stattfinden. Wat hätten die beim Bier alles zu besprechen gehabt, wo die sich doch seit November nicht gesehen haben und nix entscheiden konnten. Näh, solch‘ wichtige Entscheidungen wären digital nicht angemessen möglich gewesen! Obwohl – andere Stammtischgruppen treffen sich doch auch regelmäßig über Zoom? Sei’s drum, digital und Kommunalpolitik, das passt eben nicht zusammen, da können die Bürger ruhig noch was warten.

    Wenigstens haben wir tollen und neuen mediterran angehauchten Sand auf viele Gehwege unseres Vertrauens in Hüls bekommen. Wenn man von der Rossmühle bis zum Feldblumenweg den Gehweg über die Kempener Straße entlangflaniert, dat hat was von Promenade an der Costa Brava. Find‘ ich gut, denn nach Spanien kommt ja momentan so schlecht. Da ist ein wenig mediterraner Flair doch wichtiger als z.B. stoßdämpferschonendes Autofahren auf der Leidener Straße. Die paar Löcher da können auch bleiben bis nach der Pandemie. Auch unsere schöne Pappelallee erstrahlt übrigens jetzt in diesen tollen hellen Sandfarben. Das macht den Weg abends im Dunkeln doch gar nicht mehr so gruselig für alle, die da lang müssen. Man sieht vor allem die Ansammlungen an Kotbeuteln um die Mülleimer deutlicher als noch damals auf dem dunklen Asch-Rot. Viel besser als früher. Da hat doch einer klug nachgedacht und den KBK sinnvoll beschäftigt, denn Spazierengehen liegt voll im Trend – gezwungenermaßen. Aber wat nutzt et, wenn man im Dunkeln gar nicht über die Pappelallee langgehen darf – nach 21 Uhr? Egal, Hauptsache der Volkssport Spazierengehen ist vorbildlich möglich, solang es zur richtigen Uhrzeit passiert.

    Ich möchte mich mit meinen Kumpels übrigens demnächst auf Folgendes einigen: wenn Bezirksvertretungen sich digital nicht treffen können, dann sollte das für vergleichbare Stammtische auch gelten. Somit treffen wir uns demnächst wieder heimlich analog, allerdings vor 21 Uhr und wir trinken durch bis mindestens 5 Uhr, um auch der Ausgangssperre zu entsprechen. Haben wir früher auch geschafft und vielleicht fällt mir bei den Treffen dann auch ein, über was ich als Kolumnist demnächst mal schreiben kann. Et passiert ja leider nix.

     

    In diesem Sinne, macht et euch weiterhin nett in den eigenen 4 Wänden, geht fleißig spazieren und nächstes Jahr beim Frühjahrsfest sind wir dann alle vor den Kommunalpolitikern beim Freibier, denn die müssen ja ihre ganzen Sitzungen nachholen. Dann bleibt mehr für uns! Wir halten weiter durch!

    Euer Breetlooksman