Musik an Heiligabend: 60 Jahre weihnachtliche Klänge über Kempen

    Nach der Bescherung und dem Weihnachtsessen gibt es eigentlich nichts Schöneres, als zufrieden die Zeit mit seinen Liebsten im warmen Zuhause zu verbringen. Eigentlich – denn seit 1959 ist es Tradition, am Heiligen Abend, dem Posaunenchor unterhalb der Kempener Burg zuzuhören. Spätestens kurz nach 20 Uhr verlassen die Bläser die warme, heimische Weihnachtsstube und machen sich dick eingepackt auf den Weg zur Burg. Die Trompeten, Posaunen, Hörnern und Tuba müssen über enge Gänge, schmale Steinstiegen und steile Holzleitern auf die 30 Meter hohe Plattform des nordöstlichen Turms getragen werden – mit Scheinwerfern, Notenständern und auch Heißgetränken unterm Arm kein leichtes Unterfangen. Endlich angekommen werden die Notenblätter mit Wäscheklammern fixiert.

    „Der Wind hier oben ist wesentlich kälter als unten und in manchem Jahr sind auch schon die Ventile der Instrumente eingefroren“ so die Kantorin der Evangelischen Kirchengemeinde, Stefanie Hollinger. Ab 21 Uhr spielt der Posaunenchor bekannte Weihnachtslieder, natürlich mit kleinen Unterbrechungen, in denen sich die Bläserinnen und Bläser mit einem Glühwein oder einem Glühpunsch inwendig erwärmen, denn die Finger einiger Bläser sind dann eiskalt – nicht jedes Instrument lässt sich mit Handschuhen spielen.

    Warum tut man das, wenn man den Heiligen Abend gemütlich im warmen Wohnzimmer verbringen könnte? „Es macht einfach Spaß“, sagt Stefanie Hollinger, die den Chor mitleitet. Am Schönsten ist es, weit unten die Menschen zu sehen, die sich im Burgpark mit Glühwein und Punsch versammelt haben und uns zuhören, es je nach Witterung schon einige hundert.

    Hier oben auf dem Turm herrscht eine besondere Stimmung und ich glaube, jedem, der jedes Jahr mitspielt, würde am Heiligabend was fehlen, wenn er nicht dabei wäre.“ Gegen 22 Uhr ist dann Schluss. Je nachdem wie der Wind steht, ist der Applaus zu hören, man ist schon weit weg da oben. Während die Besucher sich mit weihnachtlichen Klängen und viel frischer Luft eingestimmt auf den Weg zur Christmette oder auf den Weg nach Hause machen, heißt es für die rund fünfzehn Musiker abbauen, einpacken und alles wieder heruntertragen – bis zum nächsten Jahr. (JS)