Schon jehört? Stefan Erlenwein betrachtet Hüls als Breetlooksman

    Bald ist wieder Bottermaat. ENDLICH, muss man sagen! Denn so nen ordentlich besuchten, schönen Kulturmarkt, den kennen wir Hülser ja kaum noch, jetzt wo selbst beim Hülser Frühlingsfest noch nicht einmal mehr günstige Fahrradschlössers und Handyschalen auf der Kreuzstraße verkauft wurden und stattdessen die „hochwertigen“ Gewinne beim Entenangeln und Dosenwerfen die qualitativ bedenklichsten Produkte dieses ganzen Festes geworden sind. Und wie viele Männer-Stammtische sind dieses Jahr regelrecht verzweifelt, weil man zum einen keinen Grillstand auf dem Hülser Markt vorfinden konnte und zum anderen sein Geld nicht dem freundlichen Pakistani auf der Ecke gegenüber Etteldorf für ein feines Edel-Polyesterseide-Hemd zu Füßen werfen konnte?

    Da kann das Hülser Gewohnheitstier nicht mit umgehen, wenn solch ein Festtag auf einmal anders ist. Aber beim Bottermaat passiert einem sowas nicht, denn beim Bottermaat, weiß der gemeine Hülser genau, was er kriegt. Und das ist auch gut so! Denn auch wenn man als Otto-Normal-Hülser den Bottermaat schon quasi in und auswendig kennt und ganz genau weiß, welches Gewerk an welcher Stelle gezeigt wird, welcher Verein mal wieder die schönsten Luftballons an die Kinder ausgibt und welche kulinarischen Köstlichkeiten die wenigen Hülser Gastronomen wann und wo so ausgeben, geht et doch eigentlich nur um eins: Sehen und Gesehen werden.

    Und der Hülser an sich findet dat toll. Deshalb weiß man beim Bottermaat sogar, welcher Bekannte am liebsten vor welcher Gastronomie sitzt, welcher Kommunalpolitiker zu welcher Uhrzeit sein Bier am Pottbäcker Markt einnimmt und gar welche Hülser Unternehmers-Frau diesmal wieder die Beanie-Mützen von Fuldner mehr oder weniger elegant über den Laufsteg schweben lässt. Ist dat nicht herrlich, wenn man weiß, worauf man sich einlässt? Man bewandert die Krefelder und die Konventstraße und alle drei Meter muss man anhalten, weil man im Jewühl schon wieder ein bekanntes Gesicht erblickt hat? Und da is man mitten im Gespräch, da klopft einem schon der nächste auf die Schulter: „Na, hamse dich auch wieder vor die Tür jelassen?“ Manche trifft man bis zu fünf mal an dem Tag, weil man den Bottermaat auch immer einmal auf und einmal ab geht. Dat macht man halt so. Und man braucht dafür mindestens den halben Tag. Wunderbar!

    Ich freu mich jetzt schon drauf, wenn mein Frau, die ja sonst eigentlich diejenige von uns ist, die einen wegen Klönens irgendwo warten lässt, an diesem einen Sonntag Mittag sagt: „Boah, mit Dir kann man nicht über den Bottermaat gehen! Man kommt ja kaum weiter!“ Oder: „Schatz, den Alois und den Frida haste jetzt schon zweimal gesehen, müssen wir da jetzt schon wieder anhalten?“ Und ich denk immer: „JA, MÜSSEN WIR!“ Wer sonst kann mir denn berichten, ob et sich noch lohnt, auch noch zur Grillmeisterschaft auf dem Edeka- Parkplatz zu gehen, mit den Kindern kurz den großen Sinalco-Truck zu bewundern und anschließend über die militanten Veganer zu schmunzeln, die sich diesmal halbnackt vor den Netto gekettet haben. Dat entschädigt einen richtig für die Einbußen, die man dieses Jahr am Vatertag in Kauf nehmen musste! Hoffentlich gibt et die Grillmeisterschaft auch dieses Jahr, ich hab noch garnix gehört.

    Sei’s drum: ich freu mich so richtig auf die Bottermaats-Tage, und das obwohl ich wahrscheinlich sogar die Samstagabend-Band schon zig mal gehört hab und deren Songauswahl im Schlaf durchgehen kann – is mir egal! Der Bottermaat ist eben der Bottermaat.

    In diesem Sinne, macht et euch nett, am besten beim Bottermaat. Wir sehen uns bestimmt
    ein paar Mal!

    Euer Breetlooksman