Zwei Hülser rocken den Nordbahnhof

    Für das Foto streift Carsten Brücker extra noch einmal das hellblaue Hemd über. Seine Schicht im Nordbahnhof ist eigentlich schon vorbei. „Heute Mittag war es recht ruhig“, sagt er in Richtung einer Kollegin. Abgelöst wird er unter anderem von Patrick Steinfort, der sich an diesem Freitagnachmittag gerade auf seine Abendschicht vorbereitet. Die beiden Hülser gehören zum festen Personal im Krefelder Kult-Restaurant. Brücker arbeitet seit knapp 18 Jahren im Nordbahnhof, Steinfort seit vier. Über die Arbeit sind die beiden Kollegen auch zu Kumpels geworden, Brücker sagt: „Wir leben beide in Hüls, sind uns da aber nie so wirklich über den Weg gelaufen. Erst durch die Arbeit haben wir uns kennengelernt.“ Gerne fährt Steinfort die paar Kilometer hin zu seinem Arbeitsplatz mit dem Rad. An jenem Freitag setzte er aber lieber auf das Auto, schließlich zeigte das Thermometer bei Schichtbeginn lockere 36 Grad an. Das Aufziehen der Maske zum Mund-Nasen-Schutz, sei bei solchen Temperaturen natürlich noch „die Krönung“, scherzt Brücker. Doch so Tage gibt es. Das wissen Brücker und Steinfort nur zu genau. Es ist ein Grund, warum der Job einfach zu ihnen passt. „Auch wenn das viele vielleicht nicht denken, ist es ein extrem vielseitiger Beruf. Man weiß nie so recht was einen erwartet, wie die Gäste drauf sind. Jeder Tag ist anders“, sagt der 30-jährige Steinfort, der im Düsseldorfer Mercure Hotel seine Ausbildung zum Hotelfachmann absolvierte. „Ich wusste nach der Schule nicht so recht was ich machen sollte und habe dann ein Praktikum im Hotel gemacht. Das gefiel mir und so bin ich in den Beruf reingerutsch“, erklärt Steinfort. Ein klassischer Weg, den auch Brücker durchlief. Er lernte im Hilton Hotel in Düsseldorf. Doch weil sowohl die Aufstiegschancen als auch die Bezahlung im Hotel schlechter waren, entschied sich Brücker für einen anderen Weg. Schon früher arbeitete er für den Besitzer des Nordbahnhofes, Uli Furth. Vor 18 Jahren bot er ihm dann einen festen Job an. „Die Arbeit im Hotel ist mehr Geschäft. Hier hat man einfach einen lockereren Umgang mit den Leuten, es ist mehr gute Laune“, schätzt Brücker ein. Dabei habe sich die Arbeit in der Gastronomie über die letzten Jahre definitiv verändert, sagt der 44-Jährige und meint: „Das hängt auch immer vom jeweiligen Laden ab. Unter dem Strich ist alles etwas schneller, etwas hektischer geworden. Die Leute bringen einfacher weniger Zeit mit.“ Auch im Umgang mit den Gästen sei es anders. Den klassischen Köbes, wie man ihn aus urigen Kölner Brauhäusern kennt, gibt es am Niederrhein nur noch in den wenigsten Gaststätten. Brücker: „Früher hat man viel direkter mit den Gästen gesprochen. Es herrschte eine viel derbere Sprache. Bei Stammgästen, die man lange kennt, da geht das auch heute noch. Aber es gibt auch viele, die einen direkt blöd angucken, wenn man mal einen Spruch drückt.“ Steinfort fügt an: „Mit der Zeit entwickelt man aber ein Gefühl dafür. Wir veranstalten Partys, Geburtstage, aber auch Beerdingungscafés. Da baut man auch eine Beziehung zu den Gästen auf.“ Ab und an, muss man als Kellner auch mal das ein oder andere Bier mittrinken. „Es hält sich aber in Grenzen“, sagt Brücker, für den die Schicht nun zu Ende ist. Steinfort hingegen steht die Arbeit noch bevor. Doch er freut sich. Auf viele Gäste und gute Laune. (tin)

     

    BU: Patrick Steinfort und Carsten Brücker. Foto: Timo Nicklaus